Geschichtsträchtiges -damals-

Abschied vom alten DGB-Haus an der Schützenstraße
2016 | 7  damaligen Porscheplatz nach seiner Fertigstellung 1954.Foto: Dirk Bauer

Adalbert Weber (1910 – 1960) baute Anfang der 1950er Jahre das Gewerkschaftshaus an der Schützenbahn, das nun einem Hotel weicht. Erinnerungen.

Rita Weber-Benning war 18 Jahre jung, als ihr Vater starb. Die Erinnerung schmerzt bis heute. In diesen Tagen tut es besonders weh, denn Rita Weber-Benning muss mit ansehen, wie das ehemalige Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an der Schützenbahn abgerissen wird, um Platz zu schaffen für ein Hotel. Ihr Vater hatte es einst gebaut. „Mir blutet das Herz“, sagt die 73-Jährige mit trauriger Stimme. Auf dem Tisch vor sich hat sie alte Zeitungsausschnitte ausgebreitet. Und ein Bild ihres Vaters, Adalbert Weber (1910 – 1960). Die Schwarzweiß-Fotografie zeigt einen Herrn mit Hut und runder Brille im dunklen Mantel. Was er in den Händen hält, ist schwer zu sagen. Es könnte ein zusammengerollte Zeichnung sein. Unverkennbar ist: Das Bild wurde auf einer Baustelle aufgenommen.Anfang der 1950er Jahre war Adalbert Weber ein bekannter Architekt. In seinem Büro unweit des Steeler Wasserturms beschäftigte er zehn Angestellte, erinnert sich seine Tochter. Nach dem Krieg hatten Architekten gut zu tun, in von Bomben zerstörten Essen mehr als anderswo.

Das ehemalige DGB-Haus wurde abgerissen. Auf dem Grundstück an der Schützenbahn entsteht bis Ende 2017 ein Vier-Sterne-Hotel mit 182 Zimmern

Adalbert Weber, der nach einer Maurerlehre die renommierte Kunstgewerbeschule besucht hatte, baute Wohnungen, Wohnungen und noch mehr Wohnungen. „Er hat ganze Straßenzüge gebaut“, erzählt Rita Weber-Benning. Vor allem in Essen-West. „Man Vater hat nur gearbeitet“, erinnert sich die 73-Jährige. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit. Bis er 1960 im Alter von nicht einmal 50 Jahren viel zu früh verstarb.Hotelgruppe NH Hotel will Ende 2017 eröffnenDas Gewerkschaftshaus am damaligen Porscheplatz ist das fürs Stadtbild prägendste Gebäude, das Weber in Essen hinterlassen hat. 1953 erbaut, ist es mit seiner klaren Formensprache ein typischer Bau für diese Zeit. Erst der Bau des City-Centers, das heute Rathaus-Galerie heißt, im Jahr 1979 stellte das DGB-Haus buchstäblich in den Schatten. Adalbert Webers war mit seinem Entwurf als Sieger aus einem Architekten-Wettbewerb hervorgegangen. Weber selbst war in der Nachbarschaft aufgewachsen. Seinen Eltern führten am Porscheplatz eine Gastwirtschaft mit Hotelbetrieb. Im März 1943 legten alliierte Bomben, das Haus in Trümmer. Dass das von Adalbert Weber entworfene DGB-Haus nun einem Hotelneubau weichen muss, scheint wie ein ironischer Wink der Geschichte.Der DGB hatte sein angestammtes Domizil bereits Ende 2007 aufgegeben. Heute residiert der Gewerkschaftsbund an der Teichstraße. In die Schlagzeilen geriet das DGB-Haus noch einmal 2010, dem Jahr der Kulturhauptstadt, als freie Künstler das Gebäude kurzfristig besetzten. Nun wird das Haus abgerissen. Ende 2017 eröffnet die Hotelgruppe NH Hotel an gleicher Stelle eine 182-Zimmer-Herberge der Kategorie vier Sterne. An der Schützenbahn verschwindet Zeitgeschichte. Rita Weber-Benning verliert ein Stück Erinnerung an ihren Vater, „der viel zu früh von uns gegangen ist“.500 neue Hotelzimmer entstehenNeben dem Vier-Sterne-Hotel an der Schützenbahn werden auch an der Hachestraße und an Kruppstraße/Ecke Friedrichstraße neue Hotels gebaut. In Essen entstehen damit insgesamt 500 neue Hotelzimmer.Mit einer Auslastung von 42,7 Prozent ist Essen laut der EWG ein attraktiver Markt. Marcus Schymiczek

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